Calciumchlorid und Magnesiumchlorid im Winterdienst
Neben klassischem Streusalz (Natriumchlorid) kommen im Winterdienst gelegentlich auch Calciumchlorid (CaCl₂) und Magnesiumchlorid (MgCl₂) als Streugut zum Einsatz. Beide gehören zur Gruppe der sogenannten Feuchtsalze und werden häufig als „Alternative" zu klassischem Streusalz beworben. Ob sie tatsächlich umweltschonender sind, lohnt einen genaueren Blick auf die Chemie.
Grundsätzlich sind als Streumittel Natriumchlorid (NaCl), Magnesiumchlorid (MgCl₂), Calciumchlorid (CaCl₂), Magnesiumchlorid-Calciumchlorid-Salzmischungen sowie Kaliumformiat und Natriumformiat in Gebrauch. Das in Deutschland zum Winterdienst am häufigsten verwendete Streugut ist weiterhin klassisches Streusalz auf Natriumchlorid-Basis.
Alle diese Auftaumittel wirken nach demselben physikalischen Grundprinzip: der Gefrierpunktserniedrigung. Gelöstes Salz stört die Bildung des Eisgitters, sodass Wasser auch unterhalb von 0 °C flüssig bleibt und vorhandenes Eis von der Grenzschicht her auftaut. Wie dieser Mechanismus im Detail funktioniert, erklären wir ausführlich im Artikel „Wie funktioniert Streusalz?". Der Unterschied zwischen den einzelnen Auftaumitteln liegt vor allem darin, welches Salz eingesetzt wird – und ob es sich dabei um ein Chlorid handelt oder nicht.
Wie unterscheiden sich Natriumchlorid, Calciumchlorid und Magnesiumchlorid?
Herkömmliches Auftausalz besteht zum größten Teil aus Natriumchlorid (NaCl), also Koch- oder Steinsalz, und lässt sich in der Praxis nur bis etwa −10 °C wirksam einsetzen. Calciumchlorid und Magnesiumchlorid sind als Feuchtsalze ergiebiger als Natriumchlorid, verlieren ihre Wirkung aber ebenfalls mit sinkender Temperatur: Bereits ab etwa −20 °C lässt ihre Tauwirkung erheblich nach.
Der entscheidende Punkt dabei: Calciumchlorid und Magnesiumchlorid enthalten – genau wie klassisches Streusalz – Chlorid. Und Chloridionen sind es, die für einen Großteil der bekannten Schäden durch Streusalz verantwortlich sind. Sie wirken korrosiv auf Betonbauteile, Stahlträger und Fahrzeuge, belasten den Boden (Verschlämmung, Verdichtung) und schädigen besonders salzempfindliche Bäume wie Linden, Ahorne und Fichten.
Ist Calciumchlorid oder Magnesiumchlorid besser als Streusalz?
Als Winterstreugut eignen sich Calciumchlorid- und Magnesiumchlorid-Lösungen bedingt besser als klassisches Natriumchlorid: Als Feuchtsalze haften sie besser auf der Fahrbahn, besitzen eine höhere Tauwirkung und verwehen seltener, was den Gesamtverbrauch senken kann.
Am grundlegenden Problem ändert das jedoch nichts: Weil beide Salze chloridhaltig sind, bleibt die korrosive Wirkung auf Bauwerke, Fahrzeuge und Umwelt bestehen. Durch das bessere Haftvermögen verweilen die Chloridionen zudem länger auf Karosserien, Brückenbauwerken und Vegetation – wodurch Kontaktschäden im innerstädtischen Bereich sogar zunehmen können.
Fazit: Weder Calciumchlorid noch Magnesiumchlorid sind eine chloridfreie Alternative zu klassischem Streusalz – beide sind selbst Chloride und lösen das Chlorid-Problem nicht.
Formiat als chloridfreie Alternative
Anders sieht es bei Auftaumitteln auf Formiat-Basis aus – den Salzen der Ameisensäure. Natrium- und Kaliumformiat sind keine Chloride; Auftaumittel auf ihrer Basis enthalten kein Natriumchlorid. Festes Natriumformiat wird unter anderem auf Flughäfen zur Enteisung von Start- und Landebahnen, Rollwegen und Vorfeldern eingesetzt. Die Formiat-Auftaumittel VIAFORM Granular und VIAFORM Liquid tragen das Nordic Swan Ecolabel (Lizenz 5063 0001), dessen Kriterien für Enteisungsmittel u. a. einen Grenzwert für Gesamtchlor und eine Korrosionsprüfung auf Aluminium und Kohlenstoffstahl (ASTM F 483) vorsehen. Mehr zur Chemie von Natrium- und Kaliumformiat lesen Sie in unserem Artikel „Was ist Formiat?".
Vergleich: Streusalz, Chloride und Formiat
| Auftaumittel | Auf Chlorid-Basis | Praktische Wirktemperatur | Korrosion an Beton, Stahl & Fahrzeugen |
|---|---|---|---|
| Natriumchlorid (Streusalz) | ja | bis etwa −10 °C | ja |
| Calciumchlorid / Magnesiumchlorid | ja | ergiebiger als Streusalz, ab etwa −20 °C deutlich schwächer | ja |
| VIAFORM Granular / VIAFORM Liquid (Natrium-/Kaliumformiat) | nein – enthält kein Natriumchlorid | Dosierempfehlungen des Herstellers bis unter −10 °C; Enteisungswirkung nach Nordic-Swan-Kriterien bei −2 °C und −10 °C geprüft | auf Korrosionsverhalten geprüft (Nordic-Swan-Kriterien: ASTM F 483 auf Aluminium und Kohlenstoffstahl; laut Hersteller Materialverträglichkeit nach SAE AMS 1435B/1431C getestet) – Ausnahme: direkten Kontakt mit verzinktem Stahl vermeiden |
Fazit
Calciumchlorid und Magnesiumchlorid mögen effektiver sein als klassisches Streusalz, lösen aber keines der grundlegenden Probleme des Winterdienstes: Als Chloride bleiben sie korrosiv gegenüber Bausubstanz und Fahrzeugen. Wer chloridfrei streuen möchte, findet in den Formiat-Auftaumitteln VIAFORM Granular und VIAFORM Liquid eine Alternative, deren Enteisungswirkung im Rahmen des Nordic Swan Ecolabel (Lizenz 5063 0001) experimentell nachgewiesen wurde. Einen ausführlichen Vergleich aller Streugut-Varianten finden Sie im Streugut-Vergleich, eine kompakte Gegenüberstellung speziell zu Calciumchlorid auf unserer Seite „Calciumchlorid-Alternative".
Quellen
- Wikipedia: Auftausalz (Zusammensetzung und Wirktemperaturen von Natriumchlorid, Calciumchlorid und Magnesiumchlorid; Formiate als Streumittel; Umweltschäden durch Chloride)
- Wikipedia: Natriumformiat
- Wikipedia: Kaliumformiat
- Nordic Swan Ecolabel: Produkteinträge VIAFORM Granular und VIAFORM Liquid (Lizenz 5063 0001) sowie Kriterien Nordic Ecolabelling for De-icers (063) (Gesamtchlor-Grenzwert, Korrosionsprüfung ASTM F 483, Enteisungswirkung SAE AS 6170 bei −2 °C und −10 °C)
- ADDCON: Dosierempfehlung VIAFORM Granular und Liquid; VIAFORM-Broschüre (Materialverträglichkeit nach SAE AMS 1435B/1431C, Ausnahme verzinkter Stahl)



