Wie Auftausalz die Umwelt schädigt

Die langfristigen Schäden durch Tausalz

Der Winter steht vor der Tür, und eine Armee von "Schneekämpfern" wartet darauf, Autobahnen, Straßen und Landstraßen von Schnee und Eis zu befreien, sobald die ersten Flocken fallen. Die Waffe der Wahl bei der Schneeräumpflicht in diesem saisonalen Kampf mit Mutter Natur ist heute Auftausalz.

Wie alles begann

Salz wurde in den Deutschland erstmals in den 60er Jahren als Streugut zum Enteisen von Straßen eingesetzt. Es erwies sich als billig und effektiv, und während im Winter der 90er landesweit etwa 600.000 Tonnen Salz auf Autobahnen gestreut wurden, waren es 3,5 Millionen Tonnen. In der Zahl ist nicht der Privatverbrauch mit eingerechnet, der sich durch die Streupflicht ergibt. Da man Auftausalz problemlos kauen kann, obwohl es für den Privatgebrauch fast überall verboten ist, ist die reale Zahl wahrscheinlich wesentlich höher. 

In den folgenden Jahrzehnten seit den 60ern stieg der Einsatz von Auftausalz als Enteisungsmittel also exponentiell an. Nun stellt sich die Frage, ob und wenn ja, wo das ein Ende hat. Wo kommt das Tausalz her und wie viel gibt es davon noch? 

Das Steinsalz, das auf den Straßen verwendet wird, ist chemisch ähnlich wie normales Tafelsalz und wird aus großen unterirdischen Lagerstätten abgebaut, die sich nach dem Verdunsten prähistorischer Ozeane gebildet haben. Gradierbau, Bad Friedrichshall bei Heilbronn, Bernburg, Borth und Bad Reichenhall beherbergen alle riesige Salzminen (Salinen).

Was macht Tausalz so gut?

Salz, auch bekannt als Natriumchlorid, ist tatsächlich ein effektives Enteisungsmittel. Wenn Salz auf das Eis gestreut wird, trennen sich seine Elemente und bilden eine gelöste Substanz. Die Natrium- und Chlorid-Ionen stören die Fähigkeit der Wassermoleküle, sich zu verbinden und Eis zu bilden. Einfach ausgedrückt: Salz senkt die Temperatur, bei der sich flüssiges Wasser in Eis verwandelt, ein Konzept, das als Gefrierpunktserniedrigung bekannt ist.

Die Menschen wissen seit langem, dass das Streuen von Salz dazu beiträgt, die Straßen eisfrei zu halten, aber was nicht so gut verstanden wurde, ist, wie sich die Millionen Tonnen Salz, die jedes Jahr auf den Straßen verteilt werden, auf die Umwelt auswirken. Jüngste Forschungsergebnisse weisen jedoch darauf hin, dass sich Salz in der Umwelt anreichert und eine zunehmende Bedrohung sowohl für die Ökosysteme als auch für die menschliche Gesundheit darstellt.

Was sind die Nachteile von Auftausalz?

In einer amerikanischen Studie fanden Forscher heraus, dass 37 Prozent des Einzugsgebiets der zusammenhängenden USA in den letzten 50 Jahren einen Anstieg des Salzgehalts erfahren haben. Auch Grundwasserquellen können gefährdet sein: Eine mehrjährige Studie ergab, dass mehr als die Hälfte der privaten Trinkwasserbrunnen, die untersucht wurden, die Gesundheitsstandards für Natrium überschritten. Die Entfernung zur nächstgelegenen Straße und die Menge an Straßenbelag in der Nähe beeinflussten den Salzgehalt des Brunnenwassers stark.

Salz als Streugut scheint so etwas wie eine tickende Zeitbombe für das Süßwasser. Studien deuten darauf hin, dass die steigenden Konzentrationen, die wir an vielen Orten sehen, das Ergebnis von Streusalz sind, das vor Jahrzehnten ausgebracht wurde, das Grundwasser erreichte und erst jetzt langsam in die Oberflächengewässer gelangt.

Auch die derzeit so gelobte Salzsole kann die Vegetation in der Nähe von Fahrbahnen durch die Schneeräumpflicht schädigen. Auch wenn die Salzkonzentration “nur” bei ca. 25% gegenüber normalem Auftausalz liegt. Verbräunungen und das Absterben von Zweigen an der Seite einer Pflanze, die einer Straße oder einem Gehweg zugewandt ist, sind ein häufiges Anzeichen für Salzschäden. Salz kann auch die Böden am Straßenrand beeinträchtigen, indem es Mineralien verdrängt oder Wasser absorbiert, ein Zustand, der als physiologische Trockenheit bezeichnet wird. 

Und wenn es einmal in ein Ökosystem eingebracht wurde, kann Salz zu einem dauerhaften Problem werden. “Wenn Salz erst einmal in den Boden oder in ein Gewässer gelangt ist, gibt es keine biologischen Prozesse mehr, die es entfernen könnten", sagt der Gewässerökologe Andrew Juhl. "Salz kann z.B. durch frischeres Wasser verdünnt werden, so dass die Werte weniger bedenklich werden. Aber ohne Abtransport aus dem System, wie in einem isolierten See, wird das Salz über sehr lange Zeiträume bestehen bleiben.”

Genauso besorgniserregend wie Natrium ist die zunehmende Menge an Chlorid. Eine Studie des US Geological Survey aus dem Jahr 2014 ergab, dass 84 Prozent der untersuchten städtischen Flüsse steigende Chloridwerte aufwiesen und 29 Prozent zumindest für einen Teil des Jahres die Sicherheitsrichtlinien des Bundes überschritten. Das USGS machte Streusalz als Quelle ausfindig.

Chlorid ist giftig für Wasserlebewesen, und schon geringe Konzentrationen können schädliche Auswirkungen auf Süßwasserökosysteme haben. Hohe Chloridwerte im Wasser können das Wachstum und die Fortpflanzung von Wasserlebewesen hemmen, die Nahrungsquellen beeinträchtigen und die Osmoregulation bei Amphibien stören. Etwa 40 Prozent der städtischen Bäche in den USA weisen bereits Chloridwerte auf, die die sicheren Richtlinien für Wasserlebewesen überschreiten.

Abflüsse, die Streusalz enthalten, können auch Sauerstoffmangel in Gewässern verursachen. "Wenn salzhaltige Abwässer in einen Süßwassersee oder -fluss gelangen, sinken sie tendenziell auf den Grund und bilden eine dichte Schicht, die den Gasaustausch mit dem darüber liegenden Wasser behindern kann", sagt Juhl. "Dies kann zur Entwicklung von sauerstoffarmen Bedingungen führen, die für Fische und andere Wasserorganismen schädlich sind."

Tausalz als Streugut ist korrosiv, wie viele Autobesitzer bestätigen können. Doch Salz zerfrisst nicht nur Autokarosserien - es korrodiert auch Straßen, Brücken und andere Infrastrukturen. Es wird geschätzt, dass allein die Schäden durch Salzkorrosion die deutschen Steuerzahler mehrere Milliarden Euro pro Jahr kosten können. Leider wird das konsequent von den verantwortlichen Politikern ignoriert, denn wo kein Kläger, da kein Richter.

Gibt es eine Alternative zu Streusalz?

Es gibt kein Patentrezept, wenn es darum geht, Straßen für den Winterverkehr sicher zu halten und gleichzeitig die Umwelt zu schützen. Aber da die schädlichen Auswirkungen von Streusalz auf die Umwelt immer deutlicher werden, sind neue Strategien, Initiativen und Innovationen erforderlich, um unsere Wasserressourcen zu schützen.

Eine Alternative zu Streusalz ist Ameisensäure (Formiat). Es ist zu 100% biologisch abbaubar und schädigt weder Flora, Fauna noch Materialien. Der einzige Grund, warum es bei der Schneeräumpflicht nicht verwendet wird: Es ist teurer als Auftausalz.

"Das Salz, das wir weiterhin ausbringen, wird noch weit in die Zukunft hinein Auswirkungen haben", sagt Gallay. "Wissenschaftler, die sich intensiv mit diesem Thema beschäftigen, äußern sich schockiert und besorgt über die Veränderungen, die wir an den Süßwasser-Ökosystemen vorgenommen haben. Wir sollten nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern auch handeln, wenn die Wissenschaftler so deutlich sprechen."

Aber spätestens seit der Corona-Krise wissen wir wieder, dass die Politik nicht nach Vernunft geht, sondern größtenteils in die kurzfristig wirtschaftlichere Richtung. 

Amen!

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