Warum streuen im Winter immer mehr Städte umweltschonendes Streugut?
Aktualisiert am 07. Juli 2026

Warum streuen im Winter immer mehr Städte umweltschonendes Streugut?

Streusalz belastet Böden, Gewässer und Bauwerke – die Datenlage im Überblick

Die Datenlage zu Streusalz ist eindeutig

Streusalz schädigt Böden, Pflanzen, Gewässer und Bauwerke – das ist keine neue Erkenntnis, sondern durch zahlreiche Studien und die Einschätzung des Umweltbundesamts belegt. Trotzdem bleibt Natriumchlorid (Kochsalz) das mit Abstand am häufigsten eingesetzte Streumittel im deutschen Winterdienst. Ein Überblick über die wichtigsten Zahlen und Fakten.

Wie viel Streusalz wird tatsächlich verstreut?

Laut Umweltbundesamt wurden in den letzten zehn Jahren in Deutschland im Mittel jährlich etwa 1,5 Millionen Tonnen Streusalz gestreut – in harten Wintern kann die Menge auf über vier Millionen Tonnen steigen. Wie stark der Verbrauch je nach Witterung schwanken kann, zeigt ein Beispiel aus Bayern: In einer zurückliegenden Wintersaison wurden dort rund 326.000 Tonnen Streusalz auf den Straßen verbraucht.

Welche Schäden entstehen konkret?

Das Umweltbundesamt benennt mehrere Schadenskategorien:

  • Pflanzen: Streusalz verursacht Kontaktschäden wie Verätzungen und führt langfristig zu Aufhellungen an den Blatträndern im Frühsommer, die sich braun verfärben (Blattrandnekrosen) sowie zu vorzeitigem Laubfall.
  • Böden: Hohe Salzgehalte beeinträchtigen die Stabilität des Bodens (Verschlämmung) und schädigen Bodenlebewesen.
  • Gewässer: Salz gelangt über den Straßenabfluss in Bäche, Flüsse und weitere Oberflächengewässer.
  • Bauwerke: Betonbauwerke leiden unter der korrosiven Wirkung der Salze auf die darin enthaltene Eisenbewehrung.

Was passiert langfristig mit Seen und Gewässern?

Wie stark sich Streusalz über Jahrzehnte in stehenden Gewässern anreichern kann, hat eine 2017 in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlichte Studie von Hilary Dugan und Kolleginnen untersucht ("Salting our freshwater lakes"). Anhand von Langzeitdaten zu über 370 nordamerikanischen Seen zeigte die Untersuchung: Bereits ab etwa 1 % versiegelter Fläche im Einzugsgebiet eines Sees steigt das Risiko einer langfristigen Chlorid-Anreicherung deutlich. Setzt sich der bisherige Trend fort, würden laut der Studie viele der untersuchten Seen den von der US-Umweltbehörde EPA definierten Grenzwert für chronische Chlorid-Belastung von Gewässerorganismen (230 mg/l) innerhalb der folgenden rund 50 Jahre überschreiten.

Was kosten die Folgeschäden?

Neben den ökologischen Folgen verursacht chloridhaltiges Streusalz auch erhebliche Infrastrukturkosten durch Korrosion. Für die USA liegen dazu mehrere unabhängige Schätzungen vor, die je nach Methodik und Untersuchungsraum unterschiedlich hoch ausfallen: Eine Untersuchung von Fortin Consulting aus dem Jahr 2014 beziffert die Infrastrukturschäden durch Streusalz auf 800 bis 3.300 US-Dollar pro Tonne, eine Auswertung von Roads & Bridges aus dem Jahr 2018 kam auf rund 1.800 US-Dollar pro Tonne. Die konkrete Schadenssumme lässt sich nicht pauschal auf Deutschland übertragen, da sich Klima, Infrastruktur und Streumengen unterscheiden – die Größenordnung zeigt aber, dass die reinen Materialkosten von Streusalz nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Gesamtkosten ausmachen.

Reagieren Kommunen darauf?

Angesichts dieser Datenlage prüfen und testen verschiedene deutsche Kommunen zunehmend umweltschonendere Alternativen zu klassischem Streusalz. Das Umweltbundesamt selbst empfiehlt für den privaten Bereich salzfreie, abstumpfende Streumittel wie Sand, Splitt oder Granulat und verweist auf Produkte mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel" für salzfreie Streumittel. Gleichzeitig rät die Behörde dazu, energieintensiv hergestellte Streumittel wie Blähton nur sparsam einzusetzen.

Eine chloridfreie Alternative, die ohne die energieintensive Herstellung mineralischer Streumittel auskommt, sind Auftaumittel auf Formiat-Basis wie VIAFORM Granulat und VIAFORM Liquid. Mehr zur Chemie dahinter erklärt unser Artikel „Was ist Formiat?", einen Vergleich aller gängigen Streugut-Varianten finden Sie im Streugut-Vergleich.

Quellen

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Ob Sie sich in der Planung zum differenzierten Winterdienst befinden und eine Alternative zu Streusalz suchen oder direkt unser Formiat kaufen wollen – wir beraten Sie gerne individuell. Unser Streumittelvergleich hilft Ihnen zusätzlich, bevor Sie einfach irgendein Auftausalz kaufen, denn jede Stadt und Kommune hat andere Regelungen zum Streumitteleinsatz.